Quo Vadis, Freunde der Arbeit im DRC?
Braucht es ein Programm für Mitglieder innerhalb des DRC, die sich der Arbeit mit ihren Hunden auf Dummy- und Workingtests oder Field-Trials verschrieben haben?
Und weiter geht die Stichelei. Nach dem nun seit 2 Ausgaben wieder Leserbriefe im DRC erscheinen, geht der Diskurs zwischen Workingtest-Anhängern und denn - ich nenne sie jetzt mal - Puristen weiter.
Diesmal heisst das Spiel “Lest mal selbst die internationalen Bestimmungen” (Vorwort) und “der DRC ist ein Zuchtverein und kein Arbeitsverein” (Leserbrief). Und eben das letzte Argument ist immer wieder aus den Reihen des DRC-Vorstands zu hören: Der DRC ist kein Verein für Arbeitsprüfungen, sondern ein Zuchtverein.
Und eben dieses Argument greift zu kurz.
Es greift aus meiner Sicht zu kurz, da der DRC laut Satzung schliesslich “Retriever mit jagdlichen Eigenschaften” züchten möchte. Das Workingtest aus der Tradition der jagdarmen Zeit stammen und dazu dienten die Hunde - sagen wir mal - “fit, bei Laune und in Ausbildung” zu halten und wird dabei verschwiegen.
Wie genau man in Deutschland - arm an Jagdrevieren - die stark gestiegene Anzahl an Retrievern jagdlich ausbilden und artgerecht halten will, so ganz ohne Arbeitsprüfungen, wird ebenfalls nicht ausgeführt.
Diese “Zucht-Argumentation” lässt ebenfalls ausser Acht, dass der DRC auf seiner eigenen Website in der geschichtlichen Darstellung der Entwicklung des Vereins die Dummy-Ausbildung und das Abhalten von Workingtests und Field-Trials extra Tätigkeitsschwerpunkt hervorhebt. Übrigens direkt nach den Bemühungen zur bekämpfung von genetischen Erkrankungen (siehe auch das P.S.).
Auf der anderen Seite ist der aus der Workingtest-Szene ab und an zu hörende Wunsch nach Abspaltung oder einem V1 aus dem Arbeitsumfeld auch nicht so richtig ernst zu nehmen. Etwas Ehrlichkeit täte hier gut. Wie gross ist denn der Anteil der “arbeitenden” Mitglieder innerhalb des DRC? Ca. 10-15% schätze ich mal, wenn man Dummy- und Begleithundeprüfungen mitrechnet.
Kann eine Abspaltung zu einem Gewinn an “Wohlbefinden” für die Arbeitsfront dienen? Wohl kaum, denn warum sollte der VDH so eine Gruppierung anerkennen, wenn es den DRC und den JGHV bereits gibt.
Trotzdem gibt es immer wieder Reibung mit den “Arbeitern”. So wie ich das wahrnehme übrigens meistens mit Vertretern der “Puristen”, also denen die sich auf die Satzung zurückziehen und die Position vertreten der DRC sei im wesentlichen ein Zuchtverein.
Und was will denn der arbeitende Teil im DRC eigentlich genau? Hörbar ist nur (zumindest für mich), was er nicht will: Keine Richter-Evaluierung und keine neue Tierschutz-Kommission. Wenn der arbeitende Teil - zu dem ich mich hier mal ausdrücklich bekennen möchte - nicht zu einer positiven Argumentation im Sinne von zu erreichenden Inhalten und Zielen gelangt, dann droht ihm das “Verweigerungs-Image”. Schad´ wär´s drum.
Wir müssen uns also schon mal “programmatisch” mit dem “arbeitendem Teil” des DRC auseinander setzen. Was wollen wir? Warum? Für wen? Bis wann? Wie? Womit? Das sollte aus meiner Sicht unbedingt im DRC möglich sein.
Solange das nichtjedoch geschieht, darf man - meine Meinung - sich nicht jedes Mal in die Ecke stellen und schmollen, wenn aus den Reihen des DRC ein Vorstoss kommt, der den arbeitenden Teil betrifft (bspw. “Richter-Evaluierung”).
Wenn ich die Anträge zur Mitgliederversammlung so nachlese muss ich konstatieren: Keine aus dem “arbeitenden Teil” der Mitgliedschaft. Tja liebe Leute: Dann dürfen wir uns hinterher aber auch nicht beschweren.
Wer fängt an?
P.S.: Für einen Zuchtverein ist es zu begrüssen, dass die Vorschriften zur Zuchtzulassung bei Labradors im Hinblick auf ED wesentlich verschärft werden sollen. Ich kann nur hoffen, dass sich Andrea Heine mit diesem Vorschlag durchsetzt. Schade ist, dass OCD-Untersuchungen weiterhin nicht verpflichtend sind. Wer einmal einen Hund mit OCD hatte, weiss was ich meine. Bleibt zu hoffen, dass diese Vorschrift - ähnlich wie in der Schweiz oder Österreich - auch bei uns in naher Zukunft kommt.