Der Heide-Cup 2009 - Dash besteht die F-Klasse (g)
Eine Reise durch die Retrieverarbeitswelt
Am Samstag zog es unser Rudel nach Berkhof, zum Heide-Cup 2009. Wir wollten zum dritten Mal einen F-Start wagen. Der letzte WT des Jahres und die bange Frage: Werden wir dieses Jahr mehr WTs bestehen als nicht bestehen. Die Quote vorher lag bei 50/50.
Nun denn ein neuer Versuch. Insgesamt 6 Aufgaben führten uns durch die gesamte Arbeitswelt der Retriever.
Unsere erste Aufgabe war die Station 3 bei Martin Kruse. Ein Doppelmark auf einer Wiese mit Totholz und ca. 30 cm hohem heideähnlichem Bewuchs. Das erste Mark fiel auf 12 Uhr, wobei der Helfer für Dash nicht sichtig stand. Die Fallstelle lag in ca. 30m Entfernung vor einem Baum in etwas Totholz. Das zweite Mark fiel auf 14 Uhr sichtig in einer Linie zwischen einer jungen Fichte und einem größerem Strauch auf ca. 40m. Uns war freigestellt welches Mark wir zuerst arbeiten, durften uns aber während der Arbeit nicht umentscheiden.
Ein Doppelmark – dachte ich – sollte eigentlich kein großes Problem darstellen. Ich entschied mich das erste Mark auch zuerst zu arbeiten, da ich es für schwieriger hielt. Als Dash auf dem Weg zum Mark war stellte ich fest, dass sie einige Geländeunebenheiten und Totholz umlaufen musste, so dass keine gerade Linie entstand. Im Fallgebiet selbst war kaum Wind und so kam es, dass Dash einiges an Arbeit absolvieren musste, um das Mark zu finden. Ich hätte gern geholfen. Doch meine Nervosität machte es mir leider nicht möglich. Ich hatte schlicht keinen blassen Schimmer, wo das Mark lag. Also auf Dash vertrauen. Sie benötigte etwas mehr Gelände als notwendig, kam dann aber zum Stück und brachte es nach Hause. Nun also das zweite Mark. Ich hatte auch hier keine Ahnung wo es lag. Dash schon, und so war dieses Mark deutlich besser. Wenigstens einer von uns beiden hatte aufgepasst.
Soweit ich mich erinnere, gab es hier 14 Punkte.
Weiter zur Station 1 bei Petra Beringer. Ebenfalls ein Doppelmark. Startpunkt war an einer sehr schmalen Kante auf einem ca. 3 Meter hohen Sandhügel. Zuschauer zur rechten Seite. Die Helfer entfernten sich vom Fuße des Hügels in gerader Linie und beschossen 2 Marks. Diese fielen in einer Linie in ca. 25 und 40m Entfernung auf 1 Uhr. Nachdem sich die Helfer entfernt hatten und nicht mehr sichtig waren, konnte der Hund geschickt werden. Die Reihenfolge der Dummys war freigestellt.
Da man ja aus Fehlern lernt, hatte ich diese Marks nun genau markiert und auch Dash war hochkonzentriert. Also gab ich sie frei und Dash entschied sich für das erstgefallene Mark, das sie auch zügig nach Hause brachte. Weiter mit Mark 2. Da der Startpunkt erhöht war, war die Perspektive im Gelände selbst – erneut eine wild bewachsene Heidewiese mit reichlich Jungbäumen – für die Hunde eine völlig andere. Und die Helfer gaben ebenfalls keinen Anhaltspunkt ab. So tauschten Dash und ich im Vergleich zur vorherigen Aufgabe die Rollen: Ich wusste, wo das Mark lag, Dash nicht. Handeln war angesagt. Reichlich handeln, aber schließlich kamen wir doch irgendwie zum Stück.
Etwas beschämende, aber absolut berechtigte, 10 Punkte gab es hier.
Vor der Mittagspause kamen wir noch zur Station 2 bei Detlef Heinrich. Ein Doppelmark mit einem unbeschossenen Blind, das ca. 5-10m in verlängerter Linie hinter Mark 1 lag.
Wir standen erneut auf einem Hügel. Auf 12 Uhr fiel in ca. 30m ein Mark. Der Helfer war nicht sichtig, die Flugbahn nur kurz. Die Fallstelle lag in etwas Heidebewuchs. Ich konnte das liegende Mark allerdings sehen und zur Fallstelle war ein kleiner ausgetretener Pfad für die Hunde eine echte Hilfe. Mark 2 fiel auf 14 Uhr in etwa 50m Entfernung „im Tal“. Der Helfer war auch hier nicht sichtig. Die Flugbahn nur kurz, denn das Mark fiel hinter einen hohen Sandhügel. Zuerst war Mark 1, dann Mark 2 und abschließend das Blind zu arbeiten.
Auftritt Dash: Direkt zu Mark 1. Sie war so schnell, dass ich kurz den Suchepfiff gab, damit sie nicht überschießt und über das Blind stolpert. Dann Mark 2. Auf direkter Linie zum Sandhügel, dann rechts herum. Damit war sie außer Sicht. Schon nach kurzer Zeit kam sie mit Dummy zu mir zurück. Nun das Blind. Ebenfalls kein Problem. Zur Sicherheit gab ich noch ein „back“ auf Höhe des ersten Marks.
Das war „großes Kino“ und unsere Highlightaufgabe des Tages, gekrönt mit glorreichen 18 Punkten.
Nach der Pause – es wurden frische Flammkuchen, kühle Getränke, reichlich Sitzgelegenheit an wahlweise sonnigen oder schattigen Plätzchen angeboten – ging es für uns weiter zur Station 6, erneut bei Martin Kruse.
Die Disziplin diesmal: Walk-Up. Unser Horrorfach. Offen gesagt: Wir hatten noch nie einen Walk-Up bestanden. Das hat weniger damit zu tun, dass Dash das nicht könnte, sondern viel mehr damit, dass ich bei ihrer Ausbildung gerade in diesem Bereich so viel falsch gemacht habe, dass ich damit Bücher füllen könnte.
Nun denn, ein neuer Versuch. Es war ein zweier Walk-Up auf einer wilden Heidewiese. Die Helfer standen sichtig und die Linie bewegte sich auf die Helfer zu. Die Gespanne standen ca. 2-3m auseinander und der Richter ging mittig hinter den Gespannen (schön eng – super auch das noch). Die Positionen wurden am Startpunkt ausgelost (wir als zweites Team, klar was sonst) und der Richter sagte nicht, was passiert.
Walk-On: Nach ca. 10m fiel ein Mark auf 12 Uhr. Zu meiner mittelgrossen Überraschung lief Dash gut Fuß und hatte ihre Soundkarte zu Hause gelassen.
Unser Partnerhund arbeitete zuerst ein unbeschossenes Blind auf ca. 9 Uhr in 20-30m Entfernung. Dankenswerter weise ging das schnell und ich konnte Dash auf das Mark schicken. Positionswechsel und erneut „Walk-On“. Nach weiteren ca. 10m fiel wieder ein Mark. Unglaublich: Dash lief immer noch gut Fuß und ich hatte immer noch nichts gehört. Nun waren wir mit dem Blind dran (es lang an anderer Stelle, aber in gleicher Entfernung in etwas Totholz), mit dem wir etwas mehr Mühe als unser Partnerhund hatten. Dann arbeitete dieser das Mark (wieder extrem schnell) während wir warteten.
„Danke – Hunde anleinen“, sagte der Richter. Wie? Fertig? Zittern: Hatte er was gehört, was ich nicht gehört hatte? Nein hatte er nicht. Damit hatten wir unseren ersten Walk-Up bestanden. Was geradezu unglaublich ist, schließlich hatten wir bei unserem letzten Walk-Up schon eine Null, da hatte ich Dash noch nicht mal richtig abgeleint.
Hier gab es sagenhafte 15 Punkte für uns.
Weiter ging es zur Station 4 bei Petra Beringer. Eine kleine Suche in einem klar abgegrenzten Gebiet (das der Hund möglichst nicht verlassen sollte) und ein von einem sichtig stehenden Helfer beschossenes Blind in ca. 50m Entfernung.
Zuerst wurde das Blind auf 12 Uhr beschossen (der Helfer stand direkt bei dem Blind, ging dann außer Sicht, blieb aber eng im Bereich), dann war die kleine Suche auf 3 Uhr durchzuführen (2 aus 3 Dummys waren möglichst schnell zu holen). Abschließend das Blind zu arbeiten.
Hier lernte ich was „Teamwork“ auch heißen kann: Wenn der Hund schon müde ist (Dash schlief bereits zwischen den Aufgaben) und sich der Führer auch nicht mehr richtig motivieren kann (mich verließ langsam ebenfalls die Konzentration), dann wird aus einer machbaren Aufgabe ein echter Kampf. Während die Suche noch so einigermaßen o.k. war, stellte sich das beschossene Blind als schwierig heraus. Ich konzentrierte Dash nach der Suche nicht richtig, achtete nicht auf Ihre Ausrichtung und schickte zu fahrig. Ergebnis: Gutes Lining sieht anders aus. Und auch das notwendige Handeln war, na sagen wir mal, originell. Wir kamen aber zum Stück. Als “Lohn” gab es immerhin noch 10 Punkte.
Und so ging es nun zur Station 5 bei Detlef Heinrich. Einer Wasseraufgabe. Sofern man das noch sagen konnte. Eher eine Schlamm-/Morastaufgabe. Ein Team aus 2 Gespannen (wir durften erneut mit unserem Walk-Up Partner starten) hatten jew. ein Mark und eine beschossenes Blind zur arbeiten.
Der Startpunkt war am Rande eines kleinen Tümpels. Zuerst wurde auf 12 Uhr ein Blind von einem sichtig stehendem Helfer auf einen kleinen Hang in ca. 30m Entfernung beschossen. Der Weg zum Blind führte durch den ausgetrockneten Bereich des Tümpels und war schlammig sowie recht beschwerlich. Als zweites fiel ein Mark auf 9 Uhr in ca. 20m Entfernung in dichtes Schilf. Der Helfer war nicht sichtig und es wurde nicht angesagt, von wo das Mark fallen würde. Die Flugbahn (Sonnengegenlicht!) war nur kurz sichtig, der Aufprall des Dummys auf das Wasser klar zu hören.
Zuerst arbeite unser Partnerhund das Blind (wieder erfreulich schnell) und ich schickte Dash auf das Mark. Sie umschwamm das Schilf links und war dahinter sofort außer Sicht. Es dauerte bis ich feststellte, dass Dash die Entfernung nicht richtig eingeschätzt hatte und deutlich zu weit geschwommen war. Ich pfiff sie wieder heran und sie kam rechts vor dem Schilf wieder in Sicht. Jetzt hieß es einweisen im Wasser. Ein kurzes „out“ und schon kämpfte sich Dash durch das Schilf zur Fallstelle. Noch ein Suchepfiff und wir waren am Ziel.
Die Positionen wurden getauscht und nachdem Blind und Mark erneut beschossen wurden respektive fielen, arbeiteten wir das Blind. Wie an der Schnur gezogen lief Dash durch den Morast den Hügel hinauf und fand zügig das Dummy. Unser Partnerhund arbeitete nun das Mark (Anschauungsunterricht für uns: auf direkter Linie durch das Schilf) und dann hieß es anleinen.
15 Punkte für uns und es war vollbracht!
Anhand von 6 Aufgaben führten uns die Richter durch die gesamte Arbeitswelt: Eine Suche, beschossene und unbeschossene Blinds, Markierungen sowie ein Walk-Up. Das Gelände wurde optimal und immer im Sinne der Hunde eingesetzt. Jeder Richter hatte nach der Aufgabe für uns noch einige Hinweise übrig und alle waren bemüht unsere Nervosität durch ihre ruhige und freundliche Art zu lindern.
Für uns war es ein sehr erfolgreicher Tag: Wir haben einen Walk-Up bestanden und insgesamt ein gutes Teamwork zeigen können (auch wenn wir eine Aufgabe gemeinsam in den Sand gesetzt haben). Dash hatte einen schönen und anstrengenden Tag, was ich unschwer daran erkennen kann, dass sie – während ich diese Zeilen schreibe – neben mir auf dem Sofa in Komfortstellung liegt und ihr unnachahmliches Schnarchen von sich gibt. Im Resultat haben wir diesen erstklassig organisierten Workingtest gut mit 82 aus 120 Punkten bestehen können.
Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Training, Seminar oder sogar den nächsten Working-Test.
Das uns das ermöglicht wird, verdanken wir den zahlreichen Helfern, Sonderleitern und Richtern. Euch allen an dieser Stelle für euer Engagement ein ausdrückliches und herzliches „Danke schön!“.



