Ein Jahr Dummytraining als Ersthundeführer - ein Zwischenfazit

Jetzt ist es so ziemlich 1 Jahr her, dass wir unseren ersten TWT in Hamwarde hatten. Und eigentlich fing mein persönliches Aha-Erlebnis da an (Danke Annette, Danke Steff!).

Im Nachhinein: erstaunlich, dass wir da überhaupt hin sind.
Unsere Fussarbeit war eine reine Katastrophe, Steadyness ein dehnbarer Begriff und ausser Markierungen und Verlorensuche kannten wir eigentlich nichts.

Trotzdem hat es Spass gemacht. Und ab da fing ich langsam an zu verstehen, worauf es beim Training ankommen könnte. Worum es eigentlich geht. Nicht, dass ich damit am Ende wäre, aber so eine erste Erkenntnis stellt sich jetzt nach einem Jahr ein.

Wen es interessiert: so sehen wir die Sache heute.

Die Kernfrage: Wozu will ich einen Hund?
Die Frage war für uns einfach zu beantworten. Als Familienmitglied. Von Dummyarbeit nie was gehört. Den ersten Hund bei der Dummyarbeit sahen wir bei Ingrid. Baghira hat beim Kennenlernen mal was gezeigt. Was waren wir beieindruckt. Aber auch etwas irritiert. Im Wald rumtapern? Baumwollsäckchen auslegen? Hm. Mal sehen.

Erst heute weiss ich: ein Retriever ist ein Jaghdbegleithund. Er soll bei der Niederwildjagd die geschossenen Stücke retrieven (!). Also holen. Das liegt ihnen im Blut. Das macht ihnen Spass.

Und heute kenne ich Hunde, die sind 9 oder 10 Jahre alt und quitschfidel. Jung im Kopf geblieben. Mit diesen Hunden wurde gearbeitet.
Und ich kenne Hunde, die sind gerade mal 4. Mit denen wurde nicht gearbeitet. Und die bewegen sich langsamer als die 10jähigen mit denen gearbeitet wurde.

Schon das war für mich ein Anreiz, es doch mal mit der Dummyarbeit zu versuchen.

Bei unserem ersten Seminar bei Helene Leimer wurde mir gesagt: Klare Entscheidung: Dummyarbeit oder Spielhund. Ich habe das damals nicht verstanden. Auch heute finde ich es immer noch drastisch und es ist nicht mein Weg. Aber ich verstehe es. Beides zu verbinden heisst bei der Dummyarbeit nie Perfektion erreichen zu können. Oder nur sehr sehr schwer. Auch heute ist aber Perfektion nicht zwingend das, wonach wir streben.

Das Training beginnt schon im Welpenalter
Heute ist uns klar: das Training beginnt schon im Welpenalter. Wenn man auf einem Walk-Up einen Hund ohne Leine neben sich hat, macht es eben doch einen Unterschied, ob der Hund 1m vor oder 50cm seitlich weg ist. Oder ob er bei Schuss einen Satz nach vorn macht oder nicht.
Da ist einfach exaktes Arbeiten notwendig.

Das ist uns als Ersthundeführer nicht klar gewesen. Heute ist es das. Und Gott sei Dank ist unsere Kleine so leichtführig, dass wir das Heelwork noch einigermassen in den Griff bekommen haben. Auch die Steadyness.

Gutes Training folgt einem logischen Aufbau und der Politik der kleinen Schritte
Aus heutiger Sicht: erstaunlich, dass unsere Kleine überhaupt arbeitet.
Ins erste Dummytraining haben wir reingeschnuppert, da war Dash vielleicht so 15 - 16 Monate. Und da wurden dann Marks geworfen. Bis zum Umfallen.
Insgesamt war das Training mit recht wenig Spass verbunden, es wurden auch keine Aufgaben aufgebaut. Es wurde ein Stück geworfen und das war zu holen. Wehe, nicht auch direktem Weg zurück. Wehe nicht sauber ausgegeben, Wehe nicht richtig vorgesessen. Soviel “nein” wie damals habe ich seitdem nie wieder geschrieen.

Heute würden wir das Training am Anfang vor allem über die gemeinsame Freude an der Arbeit aufbauen. Und Aufgaben zu vermeiden wissen, wo der Hund Fehler machen kann oder Misserfolge hat.

Markieren kann jeder Retriever - Warten muss er lernen
Was haben wir uns am Anfang gefreut, als Dash ein Mark sauber gefunden und zurück gebracht hat. Und weil wir dachten so richtig Spass macht ihr nur aktionreiches Training haben wir auch ordentlich tamtam gemacht. Tja. Der fehlende Spass ist wohl auf das ständige korrigieren am Anfang zurück zu führen. Und klar: sieht spektakulär aus, wenn der Hund ein Mark aus 100m schnell holt und schnell nach Hause kommt. Das hat uns unser immer noch aktuelles Problem eingebracht. Dash fiept ab und an. Vor dem Hintergrund der “Altlasten” sogar sehr sehr wenig. Wirklich gerlernt zu warten hat sie nicht. Und das man keine Marks arbeitet, hat uns erst Steff Bollen deutlich erklärt. Verstehen tun wir das erst heute. Dieser Bericht hier, schreibt das ganz gut zusammen.

Wir richten uns jetzt danach und werden den Herbst und Winter nutzen, das Problem zu bearbeiten. Ich hoffe, nein eigentlich weiss ich, dass wir das damit in den Griff bekommen werden.

Ich bin zuversichtlich, dass wir Dash erfolgreich auf Workingtests führen werden. Erfolgreich heisst für uns: bestehen. Mit einem gut. Vielleicht auch mal einem sehr gut.

Ich weiss, dass Dash sehr talentiert ist. Mit einem anderen, einem erfahrenem Hundeführer hätte Dash sicher mehr Erfolge feiern können.
Aber immerhin: Wir führen Dash auf Workingstests. Wir haben die Dummy A.

Heute weiss ich, dass das Vielen so geht. Mit dem ersten Hund rutscht man in die Dummyarbeit. Macht Erfahrungen. Wird infiziert mit dem Virus. Denn es macht unglaublich viel Spass, wenn man als Team mit seinem Hund gemeinsam Arbeiten darf und sich dabei ein tiefes Verständnis zwischen Hund und Hundeführer einstellt. Aber viele schaffen eben die Prüfungen dann nicht mehr mit dem ersten Hund.

Den Höhepunkt der Leistungsfähigkeit hat der Hund mit 6 Jahren
Das war, was ich von Heinz, unserem ersten Dummytrainer, gelernt habe. Und das macht uns Mut. Vielleicht, ganz vielleicht können wir mit Dash noch das F-Niveau erreichen. Sie kann es. Ich hoffe, ich kann es auch.

Allen denen wir auf unserem bisherigen Weg begegnet sind und die uns immer unterstützt haben auf diesem Weg vielen Dank. Ich hoffen, wir können es euch mal zurückzahlen. Wir bleiben dran. Versprochen.

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